Festreden anlässlich der 700-Jahr-Feier

Reden vom Festakt am 17. September im Kornhaus

Sämtliche Reden stammen aus dem Heft "Rückblick - 700 Jahre Ulmer Gymnasium", das 1995 erschien.

  •     Oberstudiendirektor Dr. Joachim Keller   
  •     Oberbürgermeister Ivo Gönner

Oberstudiendirektor Dr. Joachim Keller:


Begrüßung:

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren,

ich begrüße Sie alle im Namen des Humboldt-Gymnasiums zum Höhepunkt unseres Schulgeburtstages und danke Ihnen, daß Sie mitfeiern.

Ich begrüße die Ulmer Abgeordneten in Bundes- und Landtag und die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat der Stadt Ulm.

Es ist für das Humboldt-Gymnasium eine große Ehre und Freude Sie, Frau Kultusministerin, zu unserem Fest begrüßen zu dürfen. Gerade Ihr Besuch hebt den heutigen Tag heraus aus den rund 200 000 Schultagen, die wir alt sind. Ich darf Ihnen daher zur Erinnerung durch unseren Schulsprecher, Nicholas Kern, die Festschrift und eine Jubiläums-Gedenkmünze überreichen lassen.

Ich begrüße die Vertreter der Kirchen, Herrn Prälat Scheffbuch und Herrn Pfarrer Keller von St. Georg. Ich begrüße den Leitenden Direktor der Gymnasialabteilung im Oberschulamt Tübingen, Herrn Fecker, und die Vertreter der Stadt Ulm, an ihrer Spitze Herrn Oberbürgermeister Gönner.

Mein Gruß gilt Herrn Landrat Dr. Schürle, den Leiterinnen und Leitern der Gymnasien in und um Ulm, sowie dem leitenden Direktor des Staatlichen Schulamts Ulm, Herrn Riedrich.
Ganz herzlich begrüße ich alle Ehemaligen, die in diesen Tagen zu ihrer alten Schule zurückfinden und sich dabei wieder einmal begegnen, unter ihnen Herrn Dr. Erwin Küchle, unseren Festredner, Herrn Professor Dr. Meißner aus Stuttgart, Herrn Dr. Wolfgang Eychmüller, den ehemaligen Schüler, ehemaligen Schülervater und immerwährenden Freund der Schule, und den früheren Schüler, Kollegen und "Vater der Musik" im Humboldt-Gymnasium, Gymnasial- Professor Rudolf Spindler. Begrüßt seien die Elternvertreter und alle anwesenden Eltern, das Lehrerkollegium  und besonders herzlich die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, die Schul- und Klassensprecher, Vorstand und Beirat des "Vereins der Freunde des Humboldt-Gymnasiums", alle Gäste, Freunde und Förderer des Humboldt-Gymnasiums Ulm.

Dank

Wenn ich den "Verein der Freunde" zuletzt begrüßt habe, dann deshalb, weil unter der Überschrift "Dank" dieses Gremium als erstes genannt werden muß. Ein Jubiläumsfest, wie wir es dieses Jahr feiern, kommt nicht von selbst zustande, sondern braucht viele Ideen, viel Planung und viele zupackende Hände. Die sich über mehr als ein Jahr erstreckende Vorbereitung hat Schule und Verein ganz nahe zusammengeführt, und ohne die Unterstützung und Mitarbeit des Vereins wäre ein Fest in dieser Form nie möglich geworden. Daher gilt mein erster Dank dem Vorstand und dem erweiterten Beirat des "Vereins der Freunde".

Stellvertretend darf ich drei Namen nennen - Sie sind aber alle gemeint - Herrn Dr. Eisenmann, den Vorstandsvorsitzenden, als immer ansprechbaren, nie die Orientierung verlierenden Motor und Steuermann, und jene zwei Persönlichkeiten, die unermüdlich Kraft und Freizeit in Tag- und Nachtarbeit geopfert haben, Frau Bäumler und Herrn Siemers und ihre Mitarbeiter.

Unser Dank gilt den Sponsoren, den Firmen, Stiftungen und vielen Einzelnen, die in überwältigender Weise dem Spendenaufruf gefolgt sind und die Festschrift finanziert haben, so daß sie nicht nur ansehnlich, sondern auch im Preis attraktiv sein kann.

Ich bedanke mich bei den Autoren der Festschrift, bei allen Kolleginnen und Kollegen, die planend, organisierend, redigierend und mitarbeitend ein Jahr lang und vor allem in den letzten Wochen mitgewirkt haben und nenne wieder stellvertretend einen Namen, den unserer Kollegin Frau Benesch, die unermüdlich als Redakteurin der Festschrift gewirkt hat und nun kurz vor dem Fest so schwer erkrankt ist. Wir grüßen sie von hier aus und wünschen Ihnen, Frau Benesch, viel Mut und gute Besserung! Mein Dank gilt allen Schülerinnen und Schülern, die mitgeholfen und, wo Not an Frau und Mann war, zugepackt haben, insbesondere unseren Schulsprechern Nicholas Kern und Michael Zeller. Ich danke den Eltern, die beim Schulfest und am Tag der offenen Tür für unser leibliches Wohl gesorgt haben. Last, but not least gilt unser Dank der Stadt Ulm, die mit ihrer Jubiläumsgabe ein Fest mit so vielen Veranstaltungen erst ermöglicht hat.

Überraschung

Ich habe, Herr Oberbürgermeister, die Stadt Ulm zuletzt genannt, weil dies den Übergang zur "Überraschung" bildet, die im Programm angekündigt ist. Alles, was eine Schule hat, verwaltet sie treuhänderisch, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können.
Als Schule ist sie arm. Deshalb müssen Schulleiter bei solchen Gelegenheiten ihren Dank auf Worte beschränken, obwohl sie wissen, was für ein karger Dank das ist. Fortuna - die der Chor nachher besingen wird - hat es nun gefügt, daß das Humboldt-Gymnasium seinen Dank an die Stadt für 700 Jahre Schulträgerschaft nicht nur in Worten auszudrücken braucht.

Das Gymnasium Ulmense hatte eine der größten und reichsten Bibliotheken unter den Schulen des Landes. Sie enthielt mittelalterliche Handschriften antiker Autoren, Wiegendrucke und Erstdrucke und eine lückenlose Dokumentation der Schul- und damit auch der Stadtgeschichte. Alles dies wurde - man darf gar nicht daran denken ein Opfer des Krieges.

Vor einigen Jahren tauchte bei Aufräumungsarbeiten in einer Ecke ein Pappkarton auf, mit verstaubten Notizzetteln und Korrespondenzresten auf grauem Nachkriegspapier, und mitten darunter ein schmales, ledergebundenes Konvolut. Als ich es öffnete, stockte mir der Atem, auch wenn ich zunächst glaubte, es handele sich um eine Kopie oder ein Faksimile.Tatsächlich aber hielt ich ein Dokument in der Hand, das ein über 460 Jahre altes Unikat darstellt. Mein erster Impuls war, das Dokument sofort ins Stadtarchiv zu Herrn Professor Specker zu bringen, mein zweiter, die heutige, damals schon von ferne sichtbar werdende Gelegenheit abzuwarten, um in aller Öffentlichkeit und Feierlichkeit es heute der Stadt Ulm, d. h. dem Stadtarchiv zu übergeben.

Wie dieses unschätzbare Dokument in die Schulbibliothek gelangte und wann, wie es unversehrt den Krieg überstand und schließlich unter fliegende Blätter in einen Pappkarton gelangte. ich weiß es nicht. Fortuna muß mehrere Hände im Spiel gehabt haben.
Ich hoffe, Sie sind nun alle gespannt, worum es sich handelt. Es ist im Original der von einem professionellen Schreiber geschriebene Bericht des Ulmer Gesandten beim Reichstag zu Worms - 1521 - an den Rat der Stadt Ulm über das Auftreten Dr. Martin Luthers vor Kaiser Karl V.

Nun aber möge es dorthin zurück gelangen, wohin es gehört, zu Nutz und Frommen der Forschung und als ein Zeichen der Verbundenheit zwischen unserer Schule und der Stadt Ulm.


Oberbürgermeister Ivo Gönner:


Die Ulmer Lateinschule gehört zu den ältesten im Land. 1294 wird erstmals ein "Heinricus rector puerorum in Ulma" als Zeuge in einer Verkaufsurkunde genannt. Kein schulischer Anlaß, sondern ein profanes Kaufgeschäft steht so am Anfang der Ulmer Lateinschule, deren Geschichte ganz hierarchisch von oben mit einem "rector" beginnt. Sicher hat man nicht von ungefähr neben den adeligen Zeugen den "rector puerorum" in den Kreis der erlauchten Zeugenschaft - und dazu noch namentlich - aufgenommen. Vielleicht ist dies schon ein früher Beleg für die Bedeutung der Schule und ihres ersten Rektors.

Eng ist die Schule mit dem Geschick der Ulmer Pfarrkirche verbunden, die zunächst ganz dem Kloster Reichenau unterstellt war. 1383 brachte dann die Wende. Fortan besetzten Bürgermeister und Rat der Stadt die Stelle des Rektors. Die Schule wurde eine städtische Einrichtung und der leitende Schulmeister, der "rector scholarum oder scholae", wurde der Aufsicht der städtischen Obrigkeit unterstellt und eidlich verpflichtet. Präzise
wurden seine Aufgaben im Treueid, den jeder neu bestallte Schulmeister abzulegen hatte, formuliert. Neben den schulischen Verpflichtungen hatte er auch kirchliche Dienste zu leisten. Hier oblag ihm vor allem die Leitung des Chors und die Gesangsbegleitung bei verschiedenen liturgischen Anlässen. Er tat dies sicherlich gern; denn er wurde nicht gerade üppig von der Stadtkasse für seine Lehrertätigkeit entlohnt.

Jede Trauung, jedes Begräbnis und jedes gesungene Amt brachten so ein willkommenes Zubrot. Auch in den späteren Jahren konnte man als Lehrer keine Reichtümer sammeln. 1686 hatte ein Präzeptor der 5. Klasse ein Jahresgehalt von 140 Gulden zusätzlich der Naturalabgaben (zum Vergleich: Ein Paar Herrenschuhe kostete im Jahre 1640 fast 2 Gulden). Die Qualität der Schule litt nicht - zumindest nicht in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts - unter dem mäßigen Einkommen der Lehrerschaft. Im Gegenteil. Die Ulmer Lateinschule erlebte in jenen Jahren einen glanzvollen Höhepunkt. Sie war weit über Ulm hinaus gefragt und begehrt bei Schülern und Lehrern. Zeitgenossen
rühmen den hohen Rang der Schule. Sie wird gepriesen als "Socratis gymnasium", der Melker Prior Schiltpacher spricht von Ulm als einer Stadt, die "ob scholas famosa erat" und selbstbewußt gibt ein Ulmer Priesterkandidat zu Konstanz auf die Frage, ob er Magister oder Baccalaureus sei, die stolze Antwort: "Ich bin ain Ulmer Schuler".

Am Ausgang des 15. Jahrhunderts war dieser Glanz aber weithin verblaßt und nur noch wehmütig erinnernd sprach man von der einst berühmten Schule zu Ulm. Dem Humanismus, mit dem zwar einige Lehrer sympathisierten, hatte sich die Ulmer Lateinschule allerdings nie recht geöffnet.

Die Schüler, die Stadt- und Landeskinder waren und häufig als fahrende Scholaren auch von auswärts kamen, lernten hier das traditionelle Trivium (Grammatik, Rhetorik und Dialektik) und Quadrivium (Arithmetik, Geographie, Musik und Astronomie).

Arme Schüler, die "zu guten studiis tauglich sein", erfuhren dabei eine städtische Unterstützung und die Ulmer Bürgerschaft war sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für diese armen Schüler wohl bewußt. Wöchentlich wurde so bei den Bürgern der Stadt zur Unterstützung der bedürftigen Schüler gesammelt.

Nicht selten finanzierten Ulmer Bürger mit eigenen Stiftungen den Unterhalt solcher Schüler. 1775 etwa lebten so von insgesamt 360 Schülern nicht weniger als 239 von dieser Solidarhilfe der Ulmer Bürger. Noch ganz im mittelalterlichen Denken verhaftet, mußten dabei allerdings die so unterstützten Schüler schon äußerlich ihre Armut zeigen und schwarze Mäntel tragen, während die finanziell unabhängigen Söhne begüterter Eltern in blauen Mänteln im Unterricht zu erscheinen hatten. Erst 1804 wurde diese Vorschrift, gegen die immer wieder protestiert worden war, von der bayerischen Regierung als "nicht mehr zeitgemäß" aufgehoben. Mit der Reformation, für deren Einführung sich 1530 über 80 % der Ulmer Bürgerschaft entschieden hatten, wurde dann auch das Ulmer Schulwesen neu geordnet. Es kam zu einer Reihe von Veränderungen, sowohl örtlich, wie organisatorisch als auch inhaltlich.

Örtlich wurde die Schule 1531 von der Hafengasse nach der reformatorisch bedingten Aufhebung des Franziskanerklosters 1531 und dem Abzug der Mönche aus der Stadt in die freigewordenen Konventsgebäude auf dem Münsterplatz verlegt.

Organisatorisch wurden nach der Ulmer Kirchenordnung von 1531 drei Schulpfleger zur unmittelbaren Aufsicht und Visitation über die Schule bestellt, der direkte Einfluß der städtischen Obrigkeit wurde damit zurückgedrängt und die Kompetenz der Ulmer Geistlichkeit im Gegenzug verstärkt. Die Gesamtaufsicht über das Ulmer Schulwesen oblag dem Pfarrkirchenbaupflegeamt (als reichsstädtische Behörde heute dem Kultusministerium vergleichbar).

Inhaltlich wurde in Zusammenarbeit mit den evangelischen Prädikanten ein neuer Lehrplan mit Latein, Griechisch, Hebräisch und der Pflichtlektüre Bibel eingeführt. Besonders gepflegt wurde in nachreformatorischer Zeit das Schultheater, das zwischen 1560 und 1618 eine ausgesprochene Blüte erlebte.

Weniger hatte man dagegen für die mathematischen Fächer übrig; solche Kenntnisse mußte man sich im Privatunterricht außerhalb der Schule erwerben.

Insgesamt wurde so in der Reformationszeit ein Unterrichtskanon geschaffen, der im wesentlichen mit einzelnen zeitbedingten Ergänzungen und Änderungen bis zum Ende der Reichsstadt 1802 Bestand hatte. Ebenfalls Bestand hatte bis 1802 die Gliederung des Ulmer Gymnasiums in sieben Klassen (ab 1617, zuvor fünf Klassen). Allerdings entsprechen diese sieben Klassen nicht sieben Schuljahren, da durch einen dreigliedrigen Ausbildungsgang pro Klasse rund eineinhalb Schuljahre zu rechnen sind. Somit er gibt sich als Gesamtschulzeit für sieben Klassen rund 10 Schuljahre bei einem durchschnittlichen Abgangsalter der Gymnasiasten von 17/18 Jahren.

Engagierte Schulmänner und Theologen versuchten immer wieder - orientiert an den Bildungsinhalten und Erfordernissen ihrer Zeit - das Ulmer Gymnasium zu reformieren. Trotzdem stand es nicht immer zum Besten mit dem Gymnasium der Stadt. Zumindest bedurfte es am Ausgang des 16. Jahrhunderts großer Anstrengungen des Rats, Lehrer für die Schule zu gewinnen.

Lieber gingen die Präzeptoren auf eine Pfarrstelle im Ulmer Land als in den städtischen Schuldienst. Oftmals gelang es nur mit Zwang eine Lehrerstelle zu besetzen, wie etwa 1610 als man einen Ulmer Studenten direkt von der Universität auf eine freie Lehrerstelle berief und ihm mit dem Entzug des Stipendiums drohte, falls er sich weigern sollte, die Stelle anzunehmen.

Ein bedeutender Einschnitt in die Geschichte der Ulmer Lateinschule, die 1617 rund 600 Schüler zählte und erst jetzt vermehrt als " Gymnasium" bezeichnet wurde, brachte die Gründung des "Gymnasium academicum" von 1622, eine Initiative des engagierten Schulmannes und Superintendenten Dr. Konrad Dieterich. Auf das Gymnasium wurde damit ein akademischer Oberbau gesetzt, der von den Schülern nach Absolvierung des Gymnasiums besucht werden konnte. Ulm hatte sich damit eine Art Fachhochschule für die Heranziehung und Ausbildung des landeseigenen Nachwuchses im Kirchen- und Schuldienst geschaffen. Ein akademischer Abschluß war aber in Ulm nicht möglich, dazu mußten die Ulmer Studenten auf auswärtige Universitäten. Beliebt waren hier vor allem Altdorf, Erlangen, Jena und Leipzig, weniger gefragt war dagegen Tübingen.

Die unheilvollen Kriegsjahre des 30jährigen Krieges mit all den politischen und wirtschaftlichen Belastungen verhinderten natürlich auch eine gedeihliche Fortentwicklung des Ulmer Gymnasiums, das 1635 wegen der Pest in der Stadt bis Januar 1636 geschlossen werden mußte.

Traditionell bestimmten auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts immer noch Katechismusunterricht, theologische und religiöse Unterweisung und die Pflege der klassischen Sprachen die Lerninhalte und den Lernbetrieb am Ulmer Gymnasium. Selbst Elias Veil, seit 1671 Rektor des Ulmer Gymnasiums und nach Dr. Konrad Dieterich der bedeutendste Mann im Ulmer Schul- und Kirchenwesen, konnte seine Reformideen, wie etwa die Muttersprache als Grundlage des Unterrichts, nur ansatzweise durchsetzen. Noch konnten sich die konservativen Kräfte den Forderungen der Zeit nach mehr Beachtung der Realfächer, wie etwa Geographie oder Natur Geschichte und Arithmetik erfolgreich widersetzen. Auch hundert Jahre später, als Aufklärung und Neuhumanismus das geistige Leben bestimmten, waren diese Kräfte noch stark genug, um- die von Rektor Johann Peter Miller (seit 1752) im Lehrplan verankerte deutsche Sprachlehre und die neu hier aufgenommenen Realfächer, darunter auch betriebswirtschaftliches Rechnen, auf wenige Stunden zu beschränken. Weitere Pläne zur gymnasialen Schulreform am Ausgang des 18. Jahrhunderts scheiterten an der politischen Entwicklung.

1802 wurde Ulm bayerisch, und das Gymnasium zählte 235 Schüler. 1809 wurde es in eine bayerische "Studienanstalt" mit Primarschule, Sekundarschule (untergliedert in Progymnasium und Realschule) und Gymnasium umgewandelt. Das Gymnasium wurde in das Steuerhaus am Weinhof verlegt, während die übrigen Einrichtungen der "Studienanstalt" im ehemaligen Barfüßerkloster blieben. 1810 wurde Ulm württembergisch, und die bayerische "Studienanstalt" wieder in Gymnasium zurückbenannt.

Der Streit zwischen Humanismus und Realismus ging auch jetzt weiter.
Nach langen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider Richtungen trennte sich dann 1844 die bis dahin integrierte Realschule vom Gymnasium. Unter dem Namen "Realanstalt" wurde eine eigene Schule im Steuerhaus auf dem Weinhof eingerichtet, die den neuen Anforderungen des Industriezeitalters nachkommen sollte.

1873 wurde die Realschule in das ehemalige Militärlazarett auf dem Areal des heutigen Humboldt-Gymnasiums verlegt und 1878 mit der seit 1867 bestehenden Realabteilung des alten Gymnasiums (mit Latein, aber ohne Griechisch) als Realgymnasium organisatorisch zur Doppelanstalt "Realgymnasium-Realschule" unter eigener Leitung zusammengeschlossen.

Am 16. Oktober 1878 zog dann das Gymnasium (heute Humboldt-Gymnasium) vom ehemaligen Barfüßerkloster (1879 abgebrochen) in den Westflügel des neuen Gymnasialgebäudes an der Olgastraße (Grundsteinlegung 1877).
Gleichzeitig wurde dort auch im Ostflügel die Doppelanstalt "Realgymnasium-Realschule" untergebracht (1903 wurde die Realschule zur Oberrealschule umbenannt, heute Kepler-Gymnasium, und 1931 wurde die Organisationseinheit zwischen Oberrealschule und Realgymnasium, heute Schubart-Gymnasium aufgehoben).

Nur wenig mehr als ein halbes Jahrhundert, genau 66 Jahre, war dem neuen Gymnasialgebäude in der Olgastraße beschieden, bis es beim Luftangriff auf Ulm am 17. 12. 1944 völlig zerstört wurde.